Azadon - Forum

Offline saitham

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06 Mai 2014, 19:01 Uhr
Pen und Paper
Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Ich und ein paar Freunde wollten mal Pen und Paper ausprobieren. Wir wissen allerdings nicht so genau mit was für ein Regelwerk wir Pen und Paper kennenlernen sollen. Wir haben alle null erfahrung was Pen und Paper betrifft.
Vllt. habt ihr ja eine Idee. ;)

Pen und Paper kann man doch auch im Zug spielen oder? weil wir fahren demnächst nach Hamburg, wegen Praktikas (Ich mache mein Prakikum bei Mytholon).

Offline Ilas

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06 Mai 2014, 21:15 Uhr
Servus!
Was ich empfehlen kann, ist DSA. Ist (in den Grundzügen) ein recht einfaches Spiel, wenngleich auch die Charaktergenerierung einiges an Zeit fressen kann (was man aber umgehen kann, wenn man z.B. Archetypen verwendet).
Das Grundregelwerk kannst du entweder als Hardcover kaufen (35 Euro) oder als PDF (9,95 Euro) - ganz günstig ist es, wenn du mal nach dem Spiel "Drakensang" Ausschau hältst (nicht Fluss der Zeit); da gibt es die PDF umsonst dazu und du hast mit dem Spiel selbst einen schicken Eindruck von der DSA-Welt. Und das meistens für unter 5 Euro.
Der Vorteil an DSA ist - abgesehen davon dass mir persönlich das Setting sehr gefällt - der weite Horizont des Spiels. Du hast auf der einen Seite eine einzigartige Welt, in der nahezu jeder Landstrich seine Unikate hervorbringt, auf der anderen Seite aber auch die Möglichkeit, Charakter- und Abenteuerkonzepte aus nahezu jedem anderen Setting zu importieren. Mögt ihr Conan, spielt ihr Gjalskerländer oder Fjarninger; mögt ihr Wikinger, spielt ihr Thorwaler; mögt ihr das englische Mittelalter, spielt ihr Weidener Ritter; mögt ihr das deutsche Kaiserreich, spielt ihr im Mittelreich; mögt ihr Mantel- und Degendödel mit spanischem oder italienischem Akzent, spielt ihr Horasier.
Langer Rede kurzer Sinn: ich finde DSA klasse und es lässt einfach viele Möglichkeiten für individuelle Gestaltung offen. Auch der Powerlevel ist anpassbar: es gibt mit Borbarad und der zugehörigen Kampagne Geschichten von wandelnden Halbgöttern; gleichzeitig könnt ihr aber auch absolutes Bauergaming betreiben, ohne je einem Ork oder Elf oder Baron zu begegnen.
Und die Menge an Hintergrundmaterial sowie der lebendige und sich weiterentwickelnde Fluff ist meiner Meinung nach auch ein Pluspunkt.

Im Zug könnt ihr es natürlich auch spielen; da geht allerdings viel von der Atmosphäre verloren. Im Regelfall besteht PnP ja nicht nur aus "ich hau drauf - fällt der um? *würfel*", sondern eben aus Abenteuern mit unheimlicher/heroischer/tragischer/komischer Stimmung. Wenn es von links hinter euch aus dem Kinderwagen kräht, der Hänfling rechts vor euch mit BushidoBrüll(TM) den ganzen Zug auf seine Geltungsbedürfnisse aufmerksam macht und ihr noch dazu immer auf euer Gepäck aufpassen müsst, wage ich zu behaupten, dass ihr nicht viel Spaß am PnP haben werdet.
Bei uns sieht das meistens so aus, dass wir mit ein paar Getränken an einem Tisch sitzen, im Hintergrund atmosphärefördernde Musik läuft (die dann an entstehende Situationen entsprechend angepasst wird) und wir ein meist von mir oder einem Kumpel geschriebenes Abenteuer gemeinsam durchspielen.
Cool ist es, wenn der Spielleiter bzw. Meister seine Spieler und deren Charaktere recht gut kennt; da ist schon das eine oder andere Mal Gänsehaut am Tisch entstanden. Und wenn so ein liebgewonnener Charakter am Rande des Todes steht oder eine ausweglose oder tragische Situation richtig gut beschrieben wird, kann schon mal das eine oder andere Tränchen fließen.

Z.B. hat Donna, der Charakter meiner Freundin, mehrere Brüder, einer davon Botenreiter. Die Spielergruppe ist im Auftrag eines Magiers zu einer Burg gereist, in der frisch vom Himmel gefallenes Meteoreisen "gelagert" war - später hat sich herausgestellt, dass der Meteor in der Nähe der Burg herunterkam und Splitter davon in ihre Mauern gekracht ist. Dieser Splitter ist magisch aufgeladen (in DSA ist unser Weltall die "siebte Sphäre" und die Leere zwischen den Sternen mit magischer Kraft durchzogen) und erhebt selbstständig Untote. Inmitten dieses klassischen Zombieszenarios fand sich dann Donnas Bruder: er hatte den Auftrag, dieser Burg etwas zu liefern (illegale Substanzen) und wurde dann eben von den Untoten überrascht und zerfleischt. Er liegt also in einem der Häuser innerhalb der Burg, welches die Helden zufällig untersuchen. Als er dann stirbt und seine Schwester kaum noch erkennt (sie sogar für den Raben des Todesgottes Boron hält, der seine Seele abholen soll), musste meine Freundin kurz Pause machen.
Da freut man sich als Spielleiter. :D

Die Situation hat sie so sehr gepackt, dass sie sie unbedingt in einem Bild umsetzen musste.
Quintian: "Diesen Dimensionsriss zu betreten wäre Wahnsinn! Dort steht es um Euch wie hier um die! Drei gegen eine Milliarde!"
Kendras Wulf: "Ja, aber wir sind aus Azadon."

Offline Torgar

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06 Mai 2014, 23:41 Uhr
Ich halte eher weniger von DSA, weil mir die Welt irgendwie zu limitiert (weil jeder Fuzzel irgendwie ausgearbeitet ist) und gewöhnlich vorkommt.
Irgendwie ist das wie die reale Welt nur eben im Mittelalter.
Außerdem sind die Regeln entweder unfassbar kompliziert (wenn man alles benutzt) oder unglaublich unausgeglichen und langsam. Da gibts wirklich ne Fähigkeit für jeden Mist. Ist zwar realistisch, verhindert aber meist heroische Taten oder kreative Ideen.
Aber über Geschmack kann man sich ja bekanntlich streiten.

Für Anfänger empfehle ich Earthdawn. Ist super einfach zu lernen. Hat ein simples Setting. Die Plage ist über die Menschheit gekommen. Dämonen haben das Land über mehrere Jahrhunderte zerstört und verschwinden nun langsam. Die Völker haben in unterirdischen Festungen überlebt und beginnen nun die Welt zurückzuerobern und zu erkunden. Man spielt Charaktere die durch Magie überdurchschnittliche Fähigkeiten haben - Mittelalter(high)fantasy.

Auch sehr cool ist Shadowrun. Spielt in der nahen Zukunft. Die Menschheit ist erwacht -> Magie ist zurückgekehrt. Außerdem wird durch Biotechnologie und Cybertechnologie der Körper verbessert. Man spielt eine Art "Söldner" und übernimmt illegale Aufträge für die Mächtigen. Überfall, Entführungen etc... Hier ist man eher der böse. Ist regeltechnisch etwas aufwändiger. Aber lässt sich auch meistern.

Zuletzt gäbe es noch Cthulhu. Das ist Horror in den 1920ern. Meist untersucht man detektivisch unerklräliche Vorfälle und verliert nicht selten seinen Verstand oder das Leben dabei. Ist aber vielleicht für Anfänger nicht sehr gut geeignet. Hat allerdings das einfachste und beste Regelwerk meiner Meinung nach.


Für viele dieser Systeme bekommt man auch Anfängerabenteuer mit Regeln, ohne vorher das komplette Regelwerk kaufen zu müssen.

Unter anderem hier:
DSA
http://www.ulisses-ebooks.de/product/96633/Pfade-nach-Aventurien-PDF-als-Download-kaufen?term=pfad+&filters=0
Earthdawn
http://rpg.drivethrustuff.com/product/12486/Introduction-to-Earthdawn-Kaer-Tardim-First-Edition?it=1
Shadowrun
http://inky.org/scratch/shadowrun/QuickStart.pdf
Cthulhu
http://www.pegasus.de/cthulhu/fuer-einsteiger/

Habe bei den Links nicht auf die Version des Regelwerks geachtet. Außerdem gibt es, glaube ich, nicht alles auf deutsch.
"Ich führe nur Gutes im Schilde."

Offline Kendras

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07 Mai 2014, 12:23 Uhr
Ich bin immer wieder erstaunt über die vielseitigen Kompetenzen dieses Forums, die generelle Hilfsbereitschaft und die Zeichnungen von Aedis...genial!

BTW: Wenn du ein Praktikum bei Mytholon machst darfst du mir/uns gerne immer wieder berichten wie es dir geht und was du da so machst falls du nebenher noch Zeit und Lust hast!

Offline saitham

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07 Mai 2014, 17:21 Uhr
danke schön
ich bin ebenso begeistert und sehr efreut über die langen und guten Antworten. Ich schaue mir die probe-Abenteuers an.
Das mit dem "Im Zug spielen" leuchtet ein. Danke
Die Beschreibungen und die Erklärungen haben mir sehr weiter geholfen xD. Vielen Dank.
:) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :) :)

Ich kann dir gerne von Mytholon zwischendurch berichten, wenn du möchtest.

Offline Ilas

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07 Mai 2014, 23:22 Uhr
Zitat von: 'Torgar',index.php?page=Thread&postID=14684#post14684
Ich halte eher weniger von DSA, weil mir die Welt irgendwie zu limitiert (weil jeder Fuzzel irgendwie ausgearbeitet ist) und gewöhnlich vorkommt.
Irgendwie ist das wie die reale Welt nur eben im Mittelalter.
Außerdem sind die Regeln entweder unfassbar kompliziert (wenn man alles benutzt) oder unglaublich unausgeglichen und langsam. Da gibts wirklich ne Fähigkeit für jeden Mist. Ist zwar realistisch, verhindert aber meist heroische Taten oder kreative Ideen.
Aber über Geschmack kann man sich ja bekanntlich streiten.

Das kann man - letzten Endes läuft es ja auch darauf raus: es ist Geschmackssache. Aber ich muss trotzdem nochmal eine Lanze für DSA brechen.
DSA hat sehr, sehr viele ausgearbeitete Regionen, das ist richtig. Allerdings sind innerhalb dieser Regionen auch bloß einzelne Städte wirklich ausgearbeitet. Beispielsweise ist im Kosch die Stadt Ferdok in x Publikationen, in Computerspielen und auch in der Regionalbeschreibung ausgearbeitet - das "Dorf" Wallersheim nur 15 Kilometer südlich ist dagegen nur auf der Karte der Region aufgeführt und bis auf einen Nebensatz (dass die Bewohner von Thorwalern abstammen) ansonsten vollkommen unberührt. Das ist natürlich nur ein einzelnes, kleines Beispiel, aber grundsätzlich gibt es mehr von den "offenen" und "unbeschriebenen" Bereichen als von den wirklich ausführlich gestalteten Städten und Landschaften. Und es hat immer noch Platz für weitere Städte, Dörfer und Weiler - sogar eigene Stämme und Kulturen sind möglich.
So sehr wie unsere Welt ist DSA nicht - klar basiert das Mittelreich irgendwo auf unserer eigenen Geschichte und auf unserem kulturellen und mythologischen Erbe, aber welches Fantasyuniversum tut das nicht? :)
Es gibt durchaus diverse kulturschaffende Rassen bzw. Kulturen, die entweder absurde (oder sogar groteske) Überzeichnungen irdischer Völker darstellen, viele Völker sind aber genauso einzigartig wie beispielsweise die Obsidianer aus Earthdawn (Wikipedia hat geholfen, ich geb's ja zu :D). Die Trollzacker sind zum Beispiel ein archaischer Blutkult, die glauben, aufgrund eines lange vergessenen Frevels im Jenseits nur Qualen zu erwarten zu haben, weswegen sie sich im Diesseits mit wirklich seltsamen Ritualen und Kulthandlungen abhärten. Klingt in erster Linie mal nicht so spannend, aber gut dargestellt machen die als NSCs einen wirklich heftigen Eindruck - und dazu muss ich nicht mal einen SC verletzen.
Regeltechnisch ist es auch wieder Geschmackssache und hängt zum Beispiel davon ab, ob man alle optionalen Regeln verwenden möchte. Wirklich kompliziert ist meiner Meinung nach nur das Magiesystem, aber selbst da kann man sich reinarbeiten. Wenn man das nicht möchte, geht es auch vereinfacht; z.B. in dem man eben wirklich nur mit gleichförmigen Spruchzaubern arbeitet statt mit [viel Blabla über magietheoretische Grundlagen einfügen]. Dass die Sonderfertigkeiten und definierten Talentgrenzen aber Kreativität unterbinden, halte ich für ein Gerücht! Die meisten Talente lassen sich ableiten, d.h. für andere Aktionen einsetzen als vom Talentnamen vorgesehen. Sonderfertigkeiten helfen im Regelfall nur, Manöver oder Arbeiten besonders gut zu erledigen. Und heroische Unternehmungen liegen in den Händen von Spieler und Meister, nicht am Regelgerüst. Auch ohne Kenntnis besonderer Kampfmanöver kann es passieren, dass sich Spieler A unter einem mörderischen Hieb wegduckt, dem Gegner die Beine wegtritt und mit einer flinken Drehung sein Schwert in dessen Hals rammt. Das ist auch Sache der Würfel und der Wünsche der Spieler (was natürlich nicht heißen soll, dass ein selten dämlicher Ritter in Vollplatte ohne jegliche magische Begabung plötzlich Artefakte erschaffen kann, weil der Spieler eine Idee und Würfelglück hat :D).
Dank der großen Offenheit der Welt konnten wir übrigens auch Szenarien verschiedenster Genres spielen: Resident Evil hat bereits Pate gestanden, Conan, Call of Cthulhu, aber auch mehr oder minder "generische Fantasy" kam schon dran.

Eventuell schaffen wir es ja mal, uns da zusammenzuraufen. Ich lasse mich auch gern zu einem Ausflug in andere Systeme überreden :)

@saitham: Halte uns auf jeden Fall auf dem Laufenden, sowohl, was Mytholon angeht als auch den Spaß am PnP!
Quintian: "Diesen Dimensionsriss zu betreten wäre Wahnsinn! Dort steht es um Euch wie hier um die! Drei gegen eine Milliarde!"
Kendras Wulf: "Ja, aber wir sind aus Azadon."

Offline saitham

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28 Mai 2014, 17:04 Uhr
Wir haben alle richtig Lust. Wir lernen gerade fleißig die Regeln. xD

Offline saitham

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10 Juli 2014, 19:28 Uhr
Bericht
so nach langer Zeit melde ich mich im Forum.

Mein Praktikum bei Mytholon war erfolgreich aber auch sehr anstrengend. Die Arbeit bei Mytholon war packen, aufräumen und einsortieren. Durch das Praktikum bekamm ich aber einen guten Einblick in die Firmenstruktur und Firmenphilosophie von Mytholon. Ein sehr spannendes Praktikum. Die Produkte Mytholons kenne ich jetzt ganz gut. ;)

Pen und Paper bzw. DSA haben wir auch gespielt. Wir waren mit Spieleiter 4 Leute. DSA hat nicht zuletzt wegen unserem Spielleiter wahnsinnigen Spaß gemacht.
DSA werden wir in Zukunft öfters spielen auch mit Leuten die nicht in Hamburg dabei waren.
Durch einen Besuch einer sehr genialen Fantasy/Rollenspiel/Pen und Paper/TableTop CON (Nordcon) bin ich und noch zwei meiner Freunde von Larp aufs neue begeistert worden.

vielen Dank nochmal wegen den langen Antworten und Tipps.